Jul 03 2009
Tumulte bei letzter Rürup Vorlesung
33 Jahre lang war Bert Rürup Professor für Finanz- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Darmstadt bis er im März 2009 emeritierte. Der Diplom-Kaufmann widmet sich vor allem in den letzten Jahren seiner universitären Tätigkeit auch außerhalb der Hochschule den Themen der Rentenversicherungen und war als Mitglied im Rat der Wirtschaftsweisen (Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung) auch bei politischen Entscheidungsträgern als Berater geschätzt.
So gilt die von ihm maßgeblich mitentwickelte Rentenreform mit den beiden Angeboten Riester-Rente und Basis-Rente („Rürup-Rente“) als der derzeit beste Weg zur Vermeidung von Altersarmut und spaltet Teile der Bevölkerung in Privatrenten-Befürworter und –Hasser.
Letzteren könnten die lautstarken Unterbrechungen der letzten Rürup-Vorlesung (Last Lecture) an der Technischen Universität Darmstadt zugeschrieben werden. Dort hatten sich rund 800 Zuhörer zur letzten Vorlesung des Professors eingefunden, als sich eine Gruppe von etwa vier Dutzend mittels Trillerpfeifen Gehör verschaffte. Trotz aller Beruhigungsversuche ließ sich auch in der Folge keine geeignete Atmosphäre mehr für diese letzte Vorlesung herstellen, so dass diese einige Minuten früher als geplant zu Ende gehen musste.
Die Störenfriede seien vermutlich dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) zuzurechnen mutmaßte Rürup, welchen Inhalt der lautstarke Protest vermitteln sollte bleibt allerdings im Dunkeln.
3 Kommentare
DGB-Stadtverband Darmstadt
Presseerklärung zum Abbruch der Rürup-Veranstaltung
am 02.07.09
Das Fass an Unzumutbarkeiten musste überlaufen
Mit der Wirtschaftskrise befinden sich die ideologischen Konstrukte im Einsturz, mit denen insbesondere Herr Rürup die ökonomische Wissenschaft zum Vehikel einer skandalösen Umverteilung von unten nach oben machte. Herausragend aus seiner Hinterlassenschaft als wichtigstem Politikberater des letzten Jahrzehnts ist die gesetzlich programmierte, millionenfache Altersarmut kommender Rentnergenerationen. In nicht mehr zu übertreffender Schamlosigkeit hat er sich überdies mit einem goldenen Handschlag beim Strukturvertrieb für Finanzprodukte AWD und seinen Drückerkolonnen verdingt, dessen Chef Maschmeyer die maßgeblich von Rürup geprägten Rentenreformen als „sprudelnde Ölquelle“ bejubelt hat.
Ein Universitätspräsidium, das vor diesem Hintergrund nichts als kritiklose Lobeshymnen für eine solch umstrittene Person verkündet, und glaubt, sich in einem so zweifelhaften Ruhm sonnen zu müssen, beschädigt den Ruf der Universität auf das schwerste. Eine so geprägte Feierstunde musste als Provokation wirken. Die Studierenden, die zahlreich am Protest beteiligt waren, haben in diesem Sinne wohl eher die Integrität der TU Darmstadt verteidigt. Der DGB-Stadtverband begrüßt, dass auch viele Gewerkschaftsmitglieder ihrer Empörung Ausdruck verliehen haben.
Bürger, die den rhetorischen Eiertanz eines – bis auf seinen Geldsack - auf ganzer Linie gescheiterten „Expertissimo“ genießen wollten, sollten nicht enttäuscht sein, denn die Positionen Rürups und seiner Klaqueure sind seit Jahren sattsam in allen Medien öffentlich präsent, ihre Resultate müssen Millionen von Betroffener des Sozialabbaus, die nichts zu sagen haben, bitter ausbaden. Der qualifizierten Kritik wird dagegen der Zugang zur veröffentlichten Meinung beschnitten.
Es bleibt zu hoffen, dass der Eklat die Diskussion über den tiefen Sumpf an wissenschaftlicher und politischer Korruption intensivieren wird, der mit dem „Elend der wissenschaftlichen Politikberatung“ verbunden ist. Der DGB-Stadtverband ist in diesem Sinne zu jeglichem Diskurs bereit.
Kritik an der Rürup-Rente…
Bert Rürup fordert vom deutschen Staat Korrekturen an der Rürup-Rente. Die Rürup-Rente wurde nach dem Ökonomen und einstigen Wirtschaftsweisen der Bundesrepublik benannt und gerät durch ihn selbst nun in die Kritik.
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[...] (Ex-AWD-Chef und AWD Unternehmensgründer) und Bert Rürup (Ex-Wirtschaftsweiser und Ex-Professor der Uni Darmstadt) zu ihrem gemeinsamen unternehmerischen Vorhaben beglückwünschte, schaute mit Walter [...]