Rente erst mit 69?

Eigentlich ist es eine gute Nachricht, die die Bundesbank zu der Empfehlung das Renteneintrittsalter auf 69 Jahre anzuheben veranlasst hat. Sie lautet: Wir werden immer älter und haben deshalb mehr von der Rente als frühere Generationen. Deshalb gerät das System in Schieflage und sollte entsprechend daraufhin angepasst werden, wenn es denn noch funktionieren soll. Eine EU-Arbeitsgruppe hatte die für die Berechnungen notwendigen Daten zusammengestellt und dieses – mit großer Wahrscheinlichkeit – wenig populäre Ergebnis daraus gezogen. Bevor die Diskussion um dieses Thema inmitten der parlamentarischen Sommerpause zu einem harten Schlagabtausch der Hinterbänkler mit allerlei schrillen Zwischentönen mutieren kann, bieten die Banker der Bundesbank auch gleich einen Lösungsansatz an.

Renteneintrittsalter nach Lebensarbeitszeit bemessen

Die Rentenhöhe und das Rentenalter sollen von der Lebensarbeitszeit abhängen. Wer also seinen „Arbeitssoll“ von z.B. 45 Jahren erfüllt hat, darf in Ruhestand. Hat für seinen Traumberuf neben Abitur und Ausbildung noch ein Studium  absolviert und dadurch erst mit Anfang 30 zu arbeiten begonnen, muss er eben bis Mitte 70 arbeiten, will er die volle Rente ausbezahlt bekommen. Diese Überlegung klingt zwar ein bisschen  bildungsfeindlich, ist aber wirklich näher an der – bezahlbaren – Realität als bislang.

Zu ernstes Thema für Wahlkampfgeplänkel

Ob und wie diese Diskussion vor der Bundestagswahl geführt werden sollte ist schwer zu sagen, zu heikel sind diese Themen, als das sie von Parteien jeglicher Richtung für populistische Zwecke verbraucht werden sollten. Eines aber scheint in jedem Fall klar, die private Altersvorsorge in Form von Riester-Rente oder Basis-Rente wird für jeden einzelnen Arbeitnehmer wie auch Selbstständigen von Jahr zu Jahr immer wichtiger werden.

Rürup bzw. Basis-Rente in der Verbraucherschutz-Kritik

Ausgerechnet Verbraucherschützer haben sich derzeit auf die Angebote der Rürup-Rente eingeschossen. Das Konzept so befinden die Tester sei zu unflexibel und häufig wenig ertragreich, außerdem könne eine solche private Rente, ist sie denn einmal begonnen, nicht mehr gekündigt werden, was wenig kundenfreundlich sei – befinden die Prüfer und verursachen damit eine Diskussion um den Sinn und Zweck der Basis-Rente (nach ihrem Erfinder auch Rürup-Rente genannt).

Bemängelt wird zudem, dass nicht alle Angebote durch das Finanzamt als Sonderausgaben berechtigt anerkannt werden, da teilweise die im Vertrag enthaltene Berufsunfähigkeits-Versicherungen einen überdurchschnittlich hohen Anteil der Beiträge ausmacht, was dann zur Aberkennung der Steuerbefreiung führt.

Basis-Renten Manko: Keine Kapitalgarantie, keine sichere Ablaufleistung

Auch bietet das Basis-Renten Konzept keinerlei Kapitalgarantie wie bspw. die Riester-Rente und – sofern es sich um fondsgebundene Basis-Renten handelt – auch keinen Hinweis auf die künftige Ablaufleistung, da diese schlichtweg von der Entwicklung der darin enthaltenen Investmentfonds abhängt.

In der Summe ist nach Maßstäben der Verbraucherschützer das Konzept also zu teuer, zu unflexibel und zu intransparent, was, das muss man an dieser Stelle ganz deutlich sagen, genau den gesetzlichen Vorgaben entspricht, die eben diese Eckpunkte für diese Basis-Rente festgeschrieben haben.

Damit kritisieren Verbraucherschützer ganz offen die gesetzliche Regelung und dürften damit die Versicherungswirtschaft voll auf ihrer Seite wissen. Dort würden kundenfreundlichere Bedingungen sicherlich zu einem verbesserten Verkaufserfolg führen.

Tumulte bei letzter Rürup Vorlesung

33 Jahre lang war Bert Rürup Professor für Finanz- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Darmstadt bis er im März 2009 emeritierte. Der Diplom-Kaufmann widmet sich vor allem in den letzten Jahren seiner universitären Tätigkeit auch außerhalb der Hochschule den Themen der Rentenversicherungen und war als Mitglied im Rat der Wirtschaftsweisen (Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung) auch bei politischen Entscheidungsträgern als Berater geschätzt.

So gilt die von ihm maßgeblich mitentwickelte Rentenreform mit den beiden Angeboten Riester-Rente und Basis-Rente („Rürup-Rente“) als der derzeit beste Weg zur Vermeidung von Altersarmut und spaltet Teile der Bevölkerung in Privatrenten-Befürworter und –Hasser.

Letzteren könnten die lautstarken Unterbrechungen der letzten Rürup-Vorlesung (Last Lecture) an der Technischen Universität Darmstadt zugeschrieben werden. Dort hatten sich rund 800 Zuhörer zur letzten Vorlesung des Professors eingefunden, als sich eine Gruppe von etwa vier Dutzend mittels Trillerpfeifen Gehör verschaffte. Trotz aller Beruhigungsversuche ließ sich auch in der Folge keine geeignete Atmosphäre mehr für diese letzte Vorlesung herstellen, so dass diese einige Minuten früher als geplant zu Ende gehen musste.

Die Störenfriede seien vermutlich dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) zuzurechnen mutmaßte Rürup, welchen Inhalt der lautstarke Protest vermitteln sollte bleibt allerdings im Dunkeln.

Bundesrat bestätigt Rentenerhöhung

Mit der Zustimmung des Bundesrat kann die Erhöhung der gesetzlichen Altersrente kann wie geplant zum 1. Juli 2009 durchgeführt werden. Mit der Anhebung der Altersbezüge bezieht der so genannte Eckrentner (45 Jahre sozialversicherungspflichtig beschäftigt) künftig eine Rente in der Höhe von 1229 Euro (West) und 1086 Euro (Ost), was einer Rentenerhöhung von 2,41 Prozent im Westen und 3,38 Prozent im Osten des Landes entspricht. Damit vollziehen die Renten die Lohnerhöhungen des letzten Jahres nach und werden zusätzlich durch die einmalige Aussetzung des Rentenfaktors gestärkt. Im Zuge der Erhöhung wird auch der Regelsatz des Arbeitslosengeld II (Harz IV) um 8 Euro auf dann 359 Euro angehoben.

Abseits der Statistik ergeben sich allerdings deutlich abweichende Werte für die ab Juli geltenden Rentenbezüge der Ruheständler in West und Ost. Betrugen die durchschnittlichen monatlichen Rentenbezüge des Jahres 2007 für Männer 967 Euro und für Frauen 468 Euro im Westen und 1043 Euro (Männer) bzw. 669 Euro (Frauen) im Osten.

Angesichts eines solch geringen monatlichen Einkommens stellt sich die Frage nach einer privaten Rentenzusatzversicherung in Form der staatlich geförderten Riester-Rente oder auch einer Basis-Rente (Rürup-Rente) wahrscheinlich niemand mehr. Kein Wunder.

Deutsche bevorzugen Altersvorsorge statt Konsum

Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat Spuren in Deutschen Geldbeuteln hinterlassen. Dennoch haben bislang nur wenige Sparer ihre private Altersvorsorge entsprechend reduziert, wie eine jetzt veröffentlichte Studie der YouGovPsychonomics AG ergab. Die im Auftrag der bayerischen Versicherungskammer durchgeführte Studie befragte dazu eine repräsentative Menge von 1.250 Personen zu ihrem persönlichen Altersvorsorge Sparverhalten.

Private Altersvorsorge bleibt (noch) unangetastet

Das Ergebnis zeigt von einem gestiegenen Verantwortungsbewusstsein, während die eigene finanzielle Situation sich verschlechtert, wird am Konsum gespart und nicht an Beiträgen zur privaten Altersvorsorge. Rund 130 Euro gibt jeder der Befragten jeden Monat für die Absicherung des eigenen Lebensabend aus, ein Betrag, der dem Einzelhandel wie auch Reiseveranstaltern in diesem Jahr sicherlich fehlen wird, genau in diesen Branchen wollen die Befragten die größten Einschränkungen der eigenen Ausgaben vornehmen.

Vertrauen in Immobilien, Gold, Sparbuch und private Rentenversicherung

Die eigentliche Frage nach dem Vertrauen in einzelne Vorsorgemaßnahmen gewinnt – wenig überraschend – die private Rentenversicherung, die sich allerdings auch den Klassikern Immobilienbesitz, Gold und Sparbuch geschlagen geben muss. Derzeit weniger angesagt sind Investmentfonds und Aktien, der tiefe Fall der verschiedenen Indices hat hier zu einem sehr deutlichen Vertrauensverlust geführt, was in der Folge einen deutlichen Rückgang der Aktionäre in Deutschland bewirkt hat.

Ob die beiden Extreme Gold und Sparbuch einen guten Ersatz für Fonds und Aktien darstellen, darf allerdings bezweifelt werden. Mit der Altersvorsorge ist es eben wie mit jeder guten Ernährung – Ausgewogenheit ist Trumpf.